Friday, 27. November 2009
Es gibt Äußerungen, wo man dann immerhin gleich weiß, daß man sich jede weitere Mühe sparen kann. Zum Beispiel diese:
Man müsse der "starken Täter-Lobby" für Kinderpornos im Netz (...)
(bei Heise)
Mir ist nicht bekannt, daß irgendwo eine Täter-Lobby in Erscheinung getreten wäre. Und ich würde das wissen. Insbesondere, wenn sie stark wäre.
Oder meint man vielleicht doch eher die Leute, die im vergangenen Jahr gewissen Politikern die effekthascherische Auftritte versalzen haben? Die hatten äußerst hehre Motive. Im Gegensatz zu denen, die sich für keine Demagogie wie "Ausrottung" - da fehlt noch "Ausmerzung von Ungeziefer" - zu schade sind.
Monday, 16. November 2009
Wie am vergangenen Wochenende schon in den Nachrichten zu hören war und heute auch beim Spiegel unter http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,661303,00.html zu lesen ist, planen die Niederlande einen Vorstoß bei hrer KFZ Besteuerung. Diejenigen, die mich kennen, wissen, daß ich selber nicht Auto fahre, aber daß ich durchaus sehe, daß man ab und zu eins braucht. Aus Umweltschutzgründen würde ich es jedoch begrüßen, daß man für die täglichen Wege den ÖPNV nutzt, das Fahrrad oder zu Fuß geht und nur für Grosseinkäufe oder Ausflüge eben das Auto. Natürlich ist dies von verschiedenen Faktoren abhängig, vom Wohn- und Arbeitsort und natürlich auch von der Familiengröße. Jedenfalls versuchen die Niederlande nun, die KFZ-Abgaben mehr nach Verbrauch zu erheben. Das ist im Grundsatz ja schonmal nicht so falsch. Was ich bisher lese ist folgendes: - Kleine Autos zahlen weniger als große Autos pro km
- Viele Autofahrer würden weniger zahlen, weil sie ohnehin wenig fahren.
- Vielleicht wäre das wirklich ein Anreiz, seine Gewohnheiten zu überdenken.
Bis hierher könnte man das meiner Meinung nach umsetzen, indem man den Kilometerstand erfasst. Nun wollen die Niederländer aber noch etwas weitergehen und viel befahrene Straßen und stauträchtige Abschnitte teurer machen als wenig befahrene Straßen. Dies soll mit in die Autos eingebauten GPS-Geräaten erfasst werden. Und genau hier wird die Schraube überdreht: es ist aus Datenschutzgründen nicht vertretbar, daß jede Bewegung des Autos erfasst wird. Bewegungsprofile aller Autos sind Totalüberwachung! Man kann die Daten ja nicht einmal nach Erfassung löschen, weil der Nutzer ja auch ab und an einmal überprüfen muss, ob die Rechnung stimmt! Liebe Niederlande, übertreibt es nicht! Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.
Saturday, 14. November 2009
Dies Mädels unter den Lesern werden dieses Gefühl sicher kennen, wenn es plötzlich die Lieblingsfarbe beim Lippenstift nicht mehr gibt oder das Lieblingsparfüm eingestellt wird. Heute gleich 2 Begebenheiten aus dieser Reihe: Mein Getränkemarkt hat kein dunkles Erdinger da (ok das gibts noch, aber eben nicht $hier wo ich grad war) und das Altenmünster haben sie nur noch zu Aktionen vorrätig. Lokalblättle genauer lesen. Dann war ich noch beim Tee Gschwendtner und es gibt den Oolong Saskatoon nicht mehr. Frust! Und auch keinen Tee mit Lotusblüten stattdessen (den scheint keiner mehr zu machen oder zu importieren). Ich war quenglig. Aber die belgischen Pralinen haben sie noch. Gut. Wochenende gerettet. Achja: und in einer Ladenpassage die so groß ist wie Stilwerk hätte ich erwartet, daß sie mehr als 4 Toiletten hat. Die Schlange war sagenhaft. Architekten. Denken die eigentlich irgendwas? Und wo ich schon dabei bin: Sänger vorm Stimmbruch die über sexy Frauen singen, obwohl sie bei einer echten Frau sicher nicht wissen würden wo vorn und hinten ist, jagen mir kalte Schauer den Rücken runter. Jetzt ist aber genug vom Rant der Woche.
Monday, 9. November 2009
Und noch ein Beitrag zum Thema "heute vor zwanzig Jahren" - ich war sogar in Berlin, aber draußen in einem Außenbezirk saßen wir auch nur ungläubig vor dem Fernseher, als die 19-Uhr-Nachrichten ziemlich gegen Schluß für eine aktuelle Meldung unterbrochen wurden. In die Stadt hineinfahren war irgendwie keine Option. Zumal man ja auch gar nicht wußte, wohin.
So richtig rund ging es dann sowieso erst am 10. - aber den vielen Geschichten meine hinzuzufügen bringt nicht viel, denn sooo besonders war es dann doch nicht. Es waren verrückte Tage in einer Stadt voller absurder Konstruktionen, derer man sich so erst bewußt wurde, als sie so nach und nach verschwanden. Eine schwache Vorstellung kann man davon bekommen, wenn man sich den Eisenbahnverkehr rund um Basel mit den zugrundeliegenden Staatsverträgen zwischen der Schweiz und Baden (und Nachfolgestaaten) zu Gemüte führt. Mit dem wesentlichen Unterschied, daß dort in aller Regel ein Konsens des konstruktiven Zusammenarbeitens geherrscht haben dürfte, was die meisten Fragen auf die von Protokoll und Respekt reduzierte.
Deswegen nur eine Anekdote: Regelmäßig hatten wir Freunde aus Polen zu Besuch, sie waren irgendwo im Elektronikbereich tätig und besorgten sich bei Bedarf spontan in West-Berlin Nachschub, unter sorgfältiger Mißachtung der CoCom-Liste (das sollte jetzt alles verjährt sein), und standen deshalb gelegentlich auch mal unangekündigt vor der Tür. Und so auch diesmal. Am 9. waren sie am Abend losgefahren, wunderten sich bei der Anfahrt auf (West-)Berlin, also Autobahn über Drewitz, nur über die vielen Trabis, und erfuhren erst beim Frühstück, welchen Moment der Weltgeschichte sie gerade verpaßt hatten.
Trotzdem kann ich es im Rückblick nicht nur mit Freude sehen. Denn neben der Unglaublichkeits des Moments gibt es auch noch das Bewußtsein über die Möglichkeiten, die sich geboten haben - und nicht genutzt wurden. Die Dinge, die nötig gewesen wären, und nicht getan wurden.
Daß der Osten politisch und wirtschaftlich verschlissen war, steht außer Frage. Daß aber auch im Westen bei weitem nicht alles eitel Ruhm war, fiel plötzlich unter den Tisch. Man fühlte sich als Sieger, und entsprechend sah man auch keinen Bedarf für eine Korrektur. Die 80er im Westen mögen im Rückblick und im Vergleich als harmlos gelten, aber schon wegen der Punkte Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung war eigentlich jedem, der es wissen wollte, klar, daß es so nicht ewig weitergehen kann. Auch wenn es im Vergleich zu "drüben" harmlos war, aber schlimmer geht ja immer.
Deshalb eine harte These: Freiheit und allgemeiner Wohlstand im Westen hatten ihre Ursache auch in Unfreiheit und Mangel im Osten.
Denn die Existenz des Ostens bremste gleichzeitig den Kapitalismus im Westen - den man dort nicht so nennen durfte, das war "Marktwirtschaft", und mit dem Attribut "sozial" wollte er halt auch beweisen, daß er es besser schafft, den Menschen Demokratie und Wohlstand zu bringen. Dieses Korrektiv ist weggefallen, und als mir jemand Anfang der 90er erklären wollte, daß in den nächsten Jahren ein großer Abbau von Sozialstaat und Arbeitnehmerbeteiligung bevorsteht, wollte ich es nicht glauben; inzwischen ist es Realität. Daß man etwa Lohnkürzungen hinnimmt, war im Westen der 80er einfach nicht denkbar.
Die Innenpolitik (auch wenn das jetzt Dresche geben wird) folgt dem gleichen Schema. Die Möglichkeiten von Überwachung und Bespitzelung haben, jetzt auch durch deutlich verbesserte Technik unterstützt, erschreckend zugenommen; und es gibt wenig Skrupel, sie auch einzusetzen. Fehlt nur noch ein repressives Regime und das Abwürgen einer unabhängigen Justiz.
Nur erwähnen, nicht erläutern will ich noch den Kulturbereich, denn auch da gab es auf beiden Seiten einen Wettstreit; und ich habe in Berlin gesehen, wie viel in den 90ern kaputtgemacht wurde, um lächerliche Beträge zu "sparen", während man gleichzeitig mehrere Milliarden in einer Bankgesellschaft versenkte (was gleichzeitig wieder eine winzige Menge gegen das ist, was gerade bei den bailouts läuft).
Und so weiter ...
Nicht zuletzt: Die Konformisten sind, wie immer, am besten durchgekommen. Die Geschichte von Lehrern, die in der großen Welle 1984 ausreisten, ist eine von vielen Geschichten. Ein andermal.
Inzwischen ist eine Generation erwachsen geworden, die das alles nur aus Erzählungen kennt. Wo die Grenze verlaufen ist, können sie sich noch erschließen, an den Unterschieden auch noch sehen. Ich weiß nicht, ob ich sie deswegen beneiden oder bedauern soll; aber ich bin mir jederzeit genau bewußt, ob ich in dem Teil bin, der früher der Westen war, oder der Osten.
Schließlich, ich erschrecke, weil diese zwanzig Jahre furchtbar schnell vergangen sind. Daß die Welt heute deutlich anders ist als damals, die ihrerseits anders war als weitere zwanzig Jahre davor; weshalb wir erwarten können, daß wir 2029 schneller erreichen werden als wir uns gerade vorstellen möchten, und es nicht die Welt ist, wie wir sie gerade kennen; leider aber auch, daß die Welt nicht gerade ein schönerer Platz geworden ist und die weiteren Aussichten alles andere denn fröhlich sind.
Vor genau 20 Jahren weilte ich bereits zun Studium in Passau. Wie immer ging mein Radiowecker an und wie auch heute noch manchmal dachte ich zuerst, ich hätte mich im Halbschlaf bei den Nachrichten verhört. Eine halbe Stunde später aber war ich wach und sie wiederholten die Meldung des Tages. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Tag erinnern und war völlig aus dem Häuschen. Ich hatte diese Grenze bis dahin schon oft genug überquert und es war jedesmal furchtbar. Meine Euphorie wurde dann aber doch von den niederbayrischen Komillitonen gebremst. Die kommentierten die Nachricht, als ginge sie das alles gar nichts an: "Da wern die sich jetzt aber g'frein.". Da war ich dann doch etwas sprachlos. Ich habe Respekt vor den Menschen, die damals den Umbruch möglich gemacht haben. Heute schäme ich mich aber für diejenigen in meinem Alter, die mir immer noch erzählen, sie kennen sich da im Osten ja eh nicht aus und wüssten auch nicht welche Städte da eigentlich wo liegen und dagewesen seien sie auch nicht und es wäre ihnen auch egal. Wacht mal endlich auf. Da draußen ist eine Generation, die die Teilung nicht mehr erlebt hat und sich das kaum vorstellen kann. Zu denen könnt ihr nicht einfach sagen "ach deine Heimatstadt existiert für mich nicht, das ist ja /Osten/. Ich glaube es gibt noch viel zu tun. Jetzt nicht nachlassen!
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Kommentare
Tue, 20.12.2011 11:17
Ich denke auch, man schwätzt z uweilen viel, wenn der Tag lan g ist und kann nicht alles ums etzen. Frage ist, sch [...]
Tue, 20.12.2011 01:02
An ihren Früchten werdet ihr s ie erkennen.
Mon, 19.12.2011 23:54
Überlebender von Cighid?
Mon, 19.12.2011 14:59
Hört sich nach meiner Kindheit an.
Thu, 27.10.2011 21:37
Die Realitäten in .de sind seh r schön zusammengefasst. Es i st nach wie vor nicht gewünsch t, daß Mütter arbeiten. [...]
Mon, 25.07.2011 21:03
Du kriegst, wenn du ein Kind b ekommst, einen riesigen Ordner voll mit Papier. Es wuerde re ichen, wenn man den Elte [...]
Wed, 04.05.2011 18:40
Nur der Vollständigkeit halber : Was zu seinem Tod geführt ha t, habe ich bewußt ausgelassen . Denn es ist letztlich [...]
Wed, 04.05.2011 09:01
Ich kann mich auch nich "freue n". Wollte eigentlich auch noc h dazu bloggen. Militärische A ktionen auf fremden Hohe [...]
Tue, 03.05.2011 22:45
Ich sehe es genauso wie du.
Tue, 03.05.2011 20:01
http://www.lawblog.de/index.ph p/archives/2011/05/02/den-sche in-des-anstandes-wahren/ Du bist nicht allein
Wed, 23.02.2011 10:39
Och, man[1] erzählte mir, daß schon so manche Doktorarbeit g elesen wurde, indem sie vier W ochen lang auf einem Sch [...]
Wed, 23.02.2011 09:04
...und ich frag mich immer noc h ob die Prüfer die Arbeit übe rhaupt gelesen haben.
Wed, 02.02.2011 19:51
Ja, latürnich. Aber spätestens seit "wag the dog" bin ich in Medienkritik hinreichend gesc hult, um Objektivität be [...]
Tue, 01.02.2011 19:23
Sorry, aber das ist wirklich e infach
Thu, 06.01.2011 17:36
Da kann man jetzt rumjammern w ie man will - mit FORMALIEN ka nn man jeden festhalten, bis e r schwarz wird. Warum, z [...]