Monday, 19. December 2011
Woran soll ich die Leute messen? Wie sie handeln wollen, oder wie an ihrem Handeln? Oder an ihrem Handeln, wenn ich sie auf die große Diskrepanz zwischen beidem hinweise?
Thursday, 27. October 2011
Tjo, meinte mein Bekannter, und dann darf ich mal sehen, wie ich nächste Woche meinen Sohn unterbringe. - Hu?
Die Situation ist nichts besonderes: Die Mutter steigt gerade wieder in den Beruf ein und sollte möglichst nicht fehlen. Das zweite Kind, grad aus dem Allergröbsten raus, hat ohnehin eine Tagesmutter. Das ältere geht schon in den Kindergarten. Der allerdings hat ein Konzept, das ich noch nicht kannte. Es heißt "Schließungstag".
"Schließungstage" vollständig lesen
Thursday, 4. August 2011
... wenn Dir auf die Erwähnung von "Metal Train" die Frage einfällt, ob es auch einen "Chromdioxid Train" gibt. Und Dir dann klar wird, daß Du den jüngeren Kollegen erstmal die Pointe erklären müßtest.
Sunday, 31. July 2011
Zu Testzwecken sollten bei einem Fußballspiel an den Zugangskontrollen Gesichtserkennung und Abgleich mit einer Suchbildkartei durchgeführt werden. So etwas passiert nicht zum ersten Mal, und auch nicht zum ersten Mal in Deutschland, die Ergebnisse waren bislang wohl eher schaurig. Aber die Technik ist zweifelsohne mit den Jahren besser geworden, und dank Facebook und Konsorten ist jetzt auch bei einem größeren Publikum angekommen, daß so etwas nicht mehr science fiction ist.
Es haben sich aber dennoch in Reaktion auf Bedenken einige Leute nicht entblödet, einen der ältesten, dümmsten und falschesten aller Sprüche zum Thema Datenschutz und Privatsphäre zu werfen; Man habe nichts zu verbergen und deshalb nichts zu befürchten. Doch diesmal kann man sie mit den Konsequenzen eines Fehlers konfrontieren. Denn fehlerhaft werden die technischen Systeme sein, und das Auftreten eines falschen Alarms ist nur eine Frage der Zeit. Ob die Schilderung der Auswirkungen bei diesen Personen zu einer Änderung der Überzeugungen führt, darf dennoch bezweifelt werden.
"Eigentlich könnte man _jetzt_ mal aufwachen" vollständig lesen
Monday, 25. July 2011
Es hieß mal "Terrorismuskartei" und "Gewalttäter Sport", und wer da bekannt geworden war - für gelegentlich wohl recht interessante Werte von - oder dafür gehalten wurde, der landete dort, still, leise und mitunter auch recht überraschend.
Dann reichte das nicht wohl mehr, und es kamen die terroristischen "Gefährder" ins Spiel. Die haben zwar noch nichts Justiziables getan (zumindest solange man die Gesetze nicht in Richtung Gedankenverbrechen dreht), könnten aber aber vielleicht mal. Weil. Die sollte man doch beizeiten auf dem Radar haben.
Aktueller Level: "Auffällige".
Wann bleibt eigentlich niemand mehr übrig?
"Und wieder eine Stufe" vollständig lesen
Tuesday, 3. May 2011
... über den Tod eines Mörders? Kann ich nicht empfinden.
Es macht seine Tat nicht rückgängig. Bringt den menschlichen Verlust nicht zurück.
Es stehen genug andere Gefühlregungen zur Verfügung: Erinnerung an die Opfer, eine - letztliche irrationale - Erleichterung, meinetwegen auch Genugtuung.
Es kann und darf einen Abschluß bilden, für Dinge in der Vergangenheit, die man akzeptieren muß, ändern lassen sie sich ohnehin nicht mehr. Dann wird das zum Anlaß, die Zeit der Trauer zu beenden - denn das muß ohnehin irgendwann geschehen - und wieder in die Zukunft blicken zu dürfen.
Aber jubeln und feiern ist widerlich.
Vielleicht habe ich auch nur mehr christliche Werte abbekommen als mir lieb ist. Zumindest fühle ich mich gerade mal wieder sehr einsam.
Tuesday, 19. April 2011
Was für Verschwörungstheoretiker, und solche die es werden wollen - falls das nicht eine ganz alte Kamelle ist ...
Als vorgestern jemand mit "50. Jahrestag!" grüßte, war ich ich einen Moment verwirrt. Denn der 50. Jahrestag war doch gerade erst. Eine schnelle Recherche zeigt dann, welcher Jahrestag stattdessen gemeint war.
Nur fünf Tage Abstand, oder eigentlich nur zwei, wenn man bis zum Beschluß zur Durchführung mißt. Zufall?
Der geübte Zyniker sagt: Wohl kaum. Und erinnert sich als guter Kenner von "Wag The Dog" an einen andere Kombination zweier Termine, wo knapp nach einem Ereignis, das vor allem nach Innen eine ziemlich schlechte politische Wirkung hat, mit einer militärischen Aktion geantwortet wird (Warnung, dieser Artikel ist geeignet, Vorurteile über eine imperialistische Politik zu bestätigen). Da klappte das allerdings besser als 1961.
Apropro 1961 - diesen Sommer ist dann auch der Mauerbau 50 Jahre her; und wir nähern uns mit großen Schritten dem Zeitpunkt, wo die länger weg ist als sie stand.
Wednesday, 23. February 2011
Auch eine Art zu studieren zu einem Dr. zu kommen, konkret im Fach Philosophie.
So legte ich mir von vornherein eine Zeiteinteilung zurecht: drei Jahre um das Universitätsstudum mich überhaupt nicht bekümmern! Dann in dem einem letzten Jahr in scharfer Anstrengung den scholastischen Stoff bewältigen und irgendeine Dissertation rasch fertigmachen!
Und wie es schließlich zum Ende dieser Zeit an die Prüfung geht:
Der gütige Professor, der aus meiner öffentlichen (...) Tätigkeit zuviel von mir wußte, um mich mit Kleinkram zu vexieren, sagte mir in einer privaten Vorbesprechung: "Exakte Logik wollen Sie doch lieber nicht geprüft werden", und führte mich dann in der Tat sacht auf die Gebiete, in denen er mich sicher wußte.
Immerhin gibt er auch direkt zu, daß die Familie von ihm einen Doktortitel erwartete, gleichgültig welchen.
Um wen es sich handelt, läßt sich mit wenig Mühe herausfinden. Apologeten können sich jetzt noch genüßlich über den Dünkel beklagen, mit dem er sich für was Besseres hält als der Durchschnitt.
Wenn man aber schon mit zweierlei Maß messen will: Diesem hier sehe ich das nach.
Nachtrag: Zitiert wurde aus "Die Welt von Gestern" von Stefan Zweig.
Sunday, 14. November 2010
Es gibt Geschichten, die fangen eklig an, und werden danach nicht besser. Diese gehört dazu, empfindsame Seelen gehen bitte gleich weiter, es könnte sich der Magen umdrehen. Durchaus mehrfach.
"Zur unguten Nacht ..." vollständig lesen
Wednesday, 7. July 2010
Kein Auto auf der Straße - nur ein paar Krähen machen Lärm.
Völlig unbekannte Stille. Wird nicht mehr lange andauern.
Monday, 7. June 2010
Der Landarsch erwähnt ein nettes Detail aus Brandenburg: In der Politik gab es ein wenig Streit darum, ob das Land eine Medizinausbildung hochziehen soll, und die Argumente sind dagegen, weil zu teuer, und dafür, um dem Ärztemangel auf dem Land abzuhelfen.
Die offensichtliche Reaktion zu letzterem ist natürlich "HA-HA" - was aber nicht direkt ausgesprochen ist: Das Land Brandenburg hat keine einzige medizinische Hochschule. Historisch war das halt in Berlin, und nach 1990 hat man das nicht angefangen, weil diese Ausbildung der teuerste Studiengang ist, und dafür war bei der ohnehin sehr ambitionierten Hochschulpolitik kein Platz mehr. Wahlweise rechnete man auf die Fusion mit Berlin.
Anders gesagt: Jeder Arzt, der in diesem Land praktiziert, wurde dafür woanders ausgebildet. Und deshalb rechne ich seit Jahr und Tag damit, daß die anderen Bundesländer von Brandenburg dafür einen Ausgleich sehen wollen. Und dann wird es ein Hauen und Stechen ohnegleichen geben. Ich freu mich nicht drauf.
Tuesday, 2. March 2010
Heute, am 2. März 2010, steht - endlich - eine schwere Entscheidung an, mit weitreichenden Folgen: Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über die Zulässigkeit des allgemein nur noch als "Vorratsdatenspeicherung" bezeichneten Gesetzes. Dabei stehen allerdings, wenigstens unterschwellig, gleich drei große Fragen zur Klärung an:
Die erste ist rein juristisch: Ob das Gesetz mit der Verfassung vereinbar ist. Ob oder ob nicht, mögen einschlägig Gebildete entscheiden. Für beide Positionen haben sich genug Fachleute gefunden, hier werde ich gut daran tun mich herauszuhalten.
Was aber sicher mit einfließt, ist die Frage nach den Menschen, die auf diese Daten Zugriff haben, und ob sie mit der sich daraus ergebenden Macht verantwortungsvoll umgehen können; auch bekannt als der Frage nach der Überwachung der Überwacher. Ich kann hier keinen Grund sehen, weshalb ich nicht besorgt sein sollte. Weil ich nicht erwarten kann, über den Zugriff auf meine Daten informiert zu werden; oder daß diese Daten problemlos über den gesamten Globus weiterverteilt werden. Daten, die meine Persönlichkeit widerspiegeln, Daten, für die ich mich nicht rechtfertigen möchte. Auch und gerade weil sie rührend harmlos sind - zumindest solange, bis jemand mit Gewalt böse Dinge herauslesen will.
Auf Verdacht aber noch ein Hinweis: Die gerne gehandelte Zahl von 181 rechtswidrigen Anfragen aus dem Berichtszeitraum 2009 sollte man besser nicht als Argument für übereifrige Ermittler anführen - sondern gegen Leute, die lieber freie Interpretationen aufschreiben als das Kleingedruckte zu lesen, wenn es in den Kram paßt. Ja, wenige Dinge tun mehr weh als Menschen, die das richtige(tm) wollen, es aber auf schrecklich und peinlich falsche Weise tun.
Die dritte Frage ist aber an die Gesellschaft gerichtet, in der leben: Wie soll sie in Zukunft aussehen? Denn das Wort "Vorratsdatenspeicherung" ist ja eine Verkürzung von Vorratsdatenspeicherung in der Telekommunikation, und daß der Staat ihre Durchführung vorschreibt. Tatsächlich aber haben wir anlaßunabhängige Speicherung personenenbezogener Daten schon jetzt in allen Bereichen des Lebens, vorneweg durch die immer mehr um sich greifende Videoüberwachung, aber auch subtilere Dinge wie unseren Zahlungs- oder Postverkehr, und viele andere Dinge mehr. Deswegen verwende ich nicht gerne das Wort "Überwachungsstaat": Weniger, weil es unzutreffend wäre, im Gegenteil, technisch sind die Möglichkeiten dafür implementiert, es sind bis zur Aktivierung nur noch wenige politische und soziale Schutzwälle zu überwinden; viel mehr aber, weil er unzureichend ist. Richtiger ist die "Überwachungsgesellschaft". Überall wird aufgezeichnet, ausgewertet, bewertet. Ohne Rücksicht auf Privatsphäre, ohne daß, was eine vergangene Zeit in den Worten "Rücksicht" oder "Takt" beschrieb, nur begrenzt durch technische Möglichkeiten. Weil es wirtschaftlich einen Vorteil verspricht. Oder einfach, weil man es kann.
Nur wenn das Bundesverfassungsgericht sich dazu entschließen kann, die Vorratsdatenspeicherung der Telekommunikation vollständig abzulehnen, nur dann existiert eine moralische Rechtfertigung, dieses Verhalten auch für andere Bereiche zu hinterfragen, und deren Beschränkung anzugehen. Bei jeder anderen Entscheidung aber wird der Zweck die Mittel heiligen, und wenn die Mittel existieren, werden sie auch für andere, bei weitem nicht so gravierende Dinge verwendet werden. Es mag dann im Einzelfall nicht zulässig oder auch nur strittig sein, das wird aber wenig Grund zum Zögern bleiben, falls überhaupt deswegen eine Beschwerde erhoben wird.
Ob also sich das Gericht zu diesem harten Schritt entschließen kann, gegen viele geheuchelte und einige berechtigen Begründungen? Nötig wäre es, denn Vorratsdatenspeicherung steht senkrecht auf dem wesentlichen Prinzip von Datenschutz: Der Vermeidung, oder wenigstens der Sparsamkeit. Allerdings bin ich sehr skeptisch und erwarte einen Spruch, mit dem dann alle unzufrieden sind: Dann wird der bestehende provisorische Zustand im Wesentlichen festgeschrieben, Speicherung ist im Grundsatz erlaubt, Zugriff - in der Theorie - nur bei wenigen, schweren Straftaten zulässig. Für die Beschwerdeführer wäre das eine klare Niederlage; für die Provider bedeutet es, daß sie auf eigene Rechnung die Infrastruktur aufbauen und betreiben müssen, auch wenn sie praktisch nie in Anspruch genommen wird; aber es gibt dennoch keine Zugriffsmöglichkeiten für zivilrechtliche Forderungen, insbesondere der sogenannten Rechteverwerter. Nur den Politikern ist es egal, die werden bei jedem Urteil anschließend versichern, daß es genau auf ihrer Linie läge und das immer schon getan hat.
Dieses Thema ist sehr heiß und hat den politischen Diskurs der letzten Jahre massiv geprägt. Leider sind darüber auch Freundschaften in die Brüche gegangen. Das ist schade, aber wenn sich einzelne Menschen nicht nur kompromißlos positionieren, sondern auch noch bei jeder Diskussion spürbar aggressiv werden und nicht auch nur bereit sind, eine von Zweifeln und Ängsten getragene andere Meinung anzuhören, dann ist das nicht mehr mein Problem.
Saturday, 20. February 2010
Sollte ich eigentlich noch jemals eine Wohnung ohne sozial defizitäre Nachbarn hinter der nächsten Wand oder Decke haben? Allmählich gebe ich die Hoffnung auf - aber es sinken die Hemmungen, wegen lauter Musik die Polizei zu rufen.
Und selbst wenn ich tatsächlich noch einmal meine bevorzugte Wohnform erreichen sollte: Ohne weitere Besiedlung in einem Kilometer Umkreis; dann wird sicher auch dort noch eine nur angeblich intelligente Lebensform der Meinung sein, mit der Vorstellung von "Hört doch keiner" die Boxen hochziehen zu können. So daß man es auch ein zwei Kilometern Entfernung gut wahrnehmen kann.
... und jetzt wieder zurück zu Diana und ihrem mehrteiligen Kurs "Fremdschämen für Männer".
Monday, 16. November 2009
Wie am vergangenen Wochenende schon in den Nachrichten zu hören war und heute auch beim Spiegel unter http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,661303,00.html zu lesen ist, planen die Niederlande einen Vorstoß bei hrer KFZ Besteuerung. Diejenigen, die mich kennen, wissen, daß ich selber nicht Auto fahre, aber daß ich durchaus sehe, daß man ab und zu eins braucht. Aus Umweltschutzgründen würde ich es jedoch begrüßen, daß man für die täglichen Wege den ÖPNV nutzt, das Fahrrad oder zu Fuß geht und nur für Grosseinkäufe oder Ausflüge eben das Auto. Natürlich ist dies von verschiedenen Faktoren abhängig, vom Wohn- und Arbeitsort und natürlich auch von der Familiengröße. Jedenfalls versuchen die Niederlande nun, die KFZ-Abgaben mehr nach Verbrauch zu erheben. Das ist im Grundsatz ja schonmal nicht so falsch. Was ich bisher lese ist folgendes: - Kleine Autos zahlen weniger als große Autos pro km
- Viele Autofahrer würden weniger zahlen, weil sie ohnehin wenig fahren.
- Vielleicht wäre das wirklich ein Anreiz, seine Gewohnheiten zu überdenken.
Bis hierher könnte man das meiner Meinung nach umsetzen, indem man den Kilometerstand erfasst. Nun wollen die Niederländer aber noch etwas weitergehen und viel befahrene Straßen und stauträchtige Abschnitte teurer machen als wenig befahrene Straßen. Dies soll mit in die Autos eingebauten GPS-Geräaten erfasst werden. Und genau hier wird die Schraube überdreht: es ist aus Datenschutzgründen nicht vertretbar, daß jede Bewegung des Autos erfasst wird. Bewegungsprofile aller Autos sind Totalüberwachung! Man kann die Daten ja nicht einmal nach Erfassung löschen, weil der Nutzer ja auch ab und an einmal überprüfen muss, ob die Rechnung stimmt! Liebe Niederlande, übertreibt es nicht! Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.
Monday, 9. November 2009
Und noch ein Beitrag zum Thema "heute vor zwanzig Jahren" - ich war sogar in Berlin, aber draußen in einem Außenbezirk saßen wir auch nur ungläubig vor dem Fernseher, als die 19-Uhr-Nachrichten ziemlich gegen Schluß für eine aktuelle Meldung unterbrochen wurden. In die Stadt hineinfahren war irgendwie keine Option. Zumal man ja auch gar nicht wußte, wohin.
So richtig rund ging es dann sowieso erst am 10. - aber den vielen Geschichten meine hinzuzufügen bringt nicht viel, denn sooo besonders war es dann doch nicht. Es waren verrückte Tage in einer Stadt voller absurder Konstruktionen, derer man sich so erst bewußt wurde, als sie so nach und nach verschwanden. Eine schwache Vorstellung kann man davon bekommen, wenn man sich den Eisenbahnverkehr rund um Basel mit den zugrundeliegenden Staatsverträgen zwischen der Schweiz und Baden (und Nachfolgestaaten) zu Gemüte führt. Mit dem wesentlichen Unterschied, daß dort in aller Regel ein Konsens des konstruktiven Zusammenarbeitens geherrscht haben dürfte, was die meisten Fragen auf die von Protokoll und Respekt reduzierte.
Deswegen nur eine Anekdote: Regelmäßig hatten wir Freunde aus Polen zu Besuch, sie waren irgendwo im Elektronikbereich tätig und besorgten sich bei Bedarf spontan in West-Berlin Nachschub, unter sorgfältiger Mißachtung der CoCom-Liste (das sollte jetzt alles verjährt sein), und standen deshalb gelegentlich auch mal unangekündigt vor der Tür. Und so auch diesmal. Am 9. waren sie am Abend losgefahren, wunderten sich bei der Anfahrt auf (West-)Berlin, also Autobahn über Drewitz, nur über die vielen Trabis, und erfuhren erst beim Frühstück, welchen Moment der Weltgeschichte sie gerade verpaßt hatten.
Trotzdem kann ich es im Rückblick nicht nur mit Freude sehen. Denn neben der Unglaublichkeits des Moments gibt es auch noch das Bewußtsein über die Möglichkeiten, die sich geboten haben - und nicht genutzt wurden. Die Dinge, die nötig gewesen wären, und nicht getan wurden.
Daß der Osten politisch und wirtschaftlich verschlissen war, steht außer Frage. Daß aber auch im Westen bei weitem nicht alles eitel Ruhm war, fiel plötzlich unter den Tisch. Man fühlte sich als Sieger, und entsprechend sah man auch keinen Bedarf für eine Korrektur. Die 80er im Westen mögen im Rückblick und im Vergleich als harmlos gelten, aber schon wegen der Punkte Arbeitslosigkeit und Umweltverschmutzung war eigentlich jedem, der es wissen wollte, klar, daß es so nicht ewig weitergehen kann. Auch wenn es im Vergleich zu "drüben" harmlos war, aber schlimmer geht ja immer.
Deshalb eine harte These: Freiheit und allgemeiner Wohlstand im Westen hatten ihre Ursache auch in Unfreiheit und Mangel im Osten.
Denn die Existenz des Ostens bremste gleichzeitig den Kapitalismus im Westen - den man dort nicht so nennen durfte, das war "Marktwirtschaft", und mit dem Attribut "sozial" wollte er halt auch beweisen, daß er es besser schafft, den Menschen Demokratie und Wohlstand zu bringen. Dieses Korrektiv ist weggefallen, und als mir jemand Anfang der 90er erklären wollte, daß in den nächsten Jahren ein großer Abbau von Sozialstaat und Arbeitnehmerbeteiligung bevorsteht, wollte ich es nicht glauben; inzwischen ist es Realität. Daß man etwa Lohnkürzungen hinnimmt, war im Westen der 80er einfach nicht denkbar.
Die Innenpolitik (auch wenn das jetzt Dresche geben wird) folgt dem gleichen Schema. Die Möglichkeiten von Überwachung und Bespitzelung haben, jetzt auch durch deutlich verbesserte Technik unterstützt, erschreckend zugenommen; und es gibt wenig Skrupel, sie auch einzusetzen. Fehlt nur noch ein repressives Regime und das Abwürgen einer unabhängigen Justiz.
Nur erwähnen, nicht erläutern will ich noch den Kulturbereich, denn auch da gab es auf beiden Seiten einen Wettstreit; und ich habe in Berlin gesehen, wie viel in den 90ern kaputtgemacht wurde, um lächerliche Beträge zu "sparen", während man gleichzeitig mehrere Milliarden in einer Bankgesellschaft versenkte (was gleichzeitig wieder eine winzige Menge gegen das ist, was gerade bei den bailouts läuft).
Und so weiter ...
Nicht zuletzt: Die Konformisten sind, wie immer, am besten durchgekommen. Die Geschichte von Lehrern, die in der großen Welle 1984 ausreisten, ist eine von vielen Geschichten. Ein andermal.
Inzwischen ist eine Generation erwachsen geworden, die das alles nur aus Erzählungen kennt. Wo die Grenze verlaufen ist, können sie sich noch erschließen, an den Unterschieden auch noch sehen. Ich weiß nicht, ob ich sie deswegen beneiden oder bedauern soll; aber ich bin mir jederzeit genau bewußt, ob ich in dem Teil bin, der früher der Westen war, oder der Osten.
Schließlich, ich erschrecke, weil diese zwanzig Jahre furchtbar schnell vergangen sind. Daß die Welt heute deutlich anders ist als damals, die ihrerseits anders war als weitere zwanzig Jahre davor; weshalb wir erwarten können, daß wir 2029 schneller erreichen werden als wir uns gerade vorstellen möchten, und es nicht die Welt ist, wie wir sie gerade kennen; leider aber auch, daß die Welt nicht gerade ein schönerer Platz geworden ist und die weiteren Aussichten alles andere denn fröhlich sind.
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Kommentare
Tue, 20.12.2011 11:17
Ich denke auch, man schwätzt z uweilen viel, wenn der Tag lan g ist und kann nicht alles ums etzen. Frage ist, sch [...]
Tue, 20.12.2011 01:02
An ihren Früchten werdet ihr s ie erkennen.
Mon, 19.12.2011 23:54
Überlebender von Cighid?
Mon, 19.12.2011 14:59
Hört sich nach meiner Kindheit an.
Thu, 27.10.2011 21:37
Die Realitäten in .de sind seh r schön zusammengefasst. Es i st nach wie vor nicht gewünsch t, daß Mütter arbeiten. [...]
Mon, 25.07.2011 21:03
Du kriegst, wenn du ein Kind b ekommst, einen riesigen Ordner voll mit Papier. Es wuerde re ichen, wenn man den Elte [...]
Wed, 04.05.2011 18:40
Nur der Vollständigkeit halber : Was zu seinem Tod geführt ha t, habe ich bewußt ausgelassen . Denn es ist letztlich [...]
Wed, 04.05.2011 09:01
Ich kann mich auch nich "freue n". Wollte eigentlich auch noc h dazu bloggen. Militärische A ktionen auf fremden Hohe [...]
Tue, 03.05.2011 22:45
Ich sehe es genauso wie du.
Tue, 03.05.2011 20:01
http://www.lawblog.de/index.ph p/archives/2011/05/02/den-sche in-des-anstandes-wahren/ Du bist nicht allein
Wed, 23.02.2011 10:39
Och, man[1] erzählte mir, daß schon so manche Doktorarbeit g elesen wurde, indem sie vier W ochen lang auf einem Sch [...]
Wed, 23.02.2011 09:04
...und ich frag mich immer noc h ob die Prüfer die Arbeit übe rhaupt gelesen haben.
Wed, 02.02.2011 19:51
Ja, latürnich. Aber spätestens seit "wag the dog" bin ich in Medienkritik hinreichend gesc hult, um Objektivität be [...]
Tue, 01.02.2011 19:23
Sorry, aber das ist wirklich e infach
Thu, 06.01.2011 17:36
Da kann man jetzt rumjammern w ie man will - mit FORMALIEN ka nn man jeden festhalten, bis e r schwarz wird. Warum, z [...]