Friday, 30. October 2009
Nachdem Princess ja schon eine Kerbe gehauen hat, will ich noch nachlegen. Diesmal aber nicht konstruktiv.
In einem auch nur ansatzweise brauchbaren Deutsch-Unterricht hat man irgendwann die Begriffe von "Objektivität" und "Subjektivität" gelernt. Letzteres sollte man in der Berichterstattung vermeiden, ersteres ist das hohe Ziel. Und in der nächsten Stunde kommt dann, daß das prinzipiell unmöglich ist; aber man sollte es doch mindestens versuchen. Dazu gehört dann auch, daß der Berichtende mit eigenen Wertungen zurückhält. Wenn er dennoch etwas davon einstreuen will, dann bitte deutlich abgetrennt: In der Meinungsspalte. Heutzutage gäbe es noch das Mittel des Blogs an der Zeitungsredaktion, auch wenn mir da nicht gerade viele bekannt sind, die lebendig sind.
Zu unerfreulicheren Dingen: In Dresden findet gerade ein Mordprozeß statt, Vorgeschichte wie Details sind bekannt und häßlich. Ob dem Täter, der meiner Meinung nach zunächst "nur" seinen Lebensfrust durch Beschimpfungen auslassen wollte, durch die übliche Justiz-Prozedur wirklich geholfen gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln; aber End-Zwanzigern unterstellt man schon, daß sie auch sich selbst aufpassen können.
Kaum weniger traurig anzusehen ist das Drumherum. Die Radikalinskis hauen fleißig auf den Putz, hüben und wahrscheinlich auch drüben. Und Verteidiger tun was, was Verteidiger tun sollen: Das Beste für ihren Mandanten herausholen. Auch wenn das im konkreten Fall mit der Methode "plumpe Pauschalisierung gegen Muslime" ziemlich befremdlich wirkt (Wer nachlesen will, ich zitiere das jetzt nicht: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,657498,00.html).
Dann aber setzt die Berichterstattung noch eins drauf: "Solche Verteidiger braucht die deutsche Justiz nicht." Als eigene Meinung, nicht (oder: nicht kenntlich gemacht) als Zitat anderer Personen.
Dazu fällt mir spontan die Retourkutsche ein: Solchen Journalismus wird man auch nicht vermissen. Der gelegentlich liebevoll als "ehemaliges Hamburger Nachrichtenmagazin" bezeichneten Publikation hätte ich dann doch etwas mehr Streben nach Objektivität zugetraut.
Wednesday, 21. October 2009
Im Rückblick ist es immer leicht zu sagen, man habe es schon vorher gewußt. Nur stimmt es wirklich.
Was "böse(tm)" bedeutet, wäre vermutlich durch einen Link auf eine offene Encyclopädie im Netz schneller und besser erklärt als durch eine selbstverfaßte Beschreibung. Aber der Artikel, so es ihn überhaupt gibt, läuft akut Gefahr, wegen Irrellevanz gelöscht zu werden. Alsdenn: Das "(tm)" kennzeichnet, daß ich dieses Wort in einer klar festgelegten Bedeutung verwende, die nicht zu diskutieren ist. Zusammen mit "böse" bedeutet es auf eine Person oder eine Verhalten, daß sie für mich nicht akzeptabel ist, auch wenn das nicht jedem offensichtlich ist. Dabei geht es nicht um irgendwie juristisch sanktionierte Dinge, sondern subtileres: Handlungen, die eine Gefahr bedeuten, Personen, die gegen diffuse Prinzipien von Chancengleichheit, Fairness oder Freiheit verstoßen.
Deshalb ist ohne Not mit Administratorrechten am Computer zu arbeiten böse(tm), das Stöbern im Internet mit veralteten Programmen, oder Surfen mit aktivierten JavaScript. Konzerne als Sinnbild für rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur zählen gerne mit dazu; und Personen, die mit ihrer Macht Gutes(tm) schaffen und pflegen könnten, sie aber mißbrauchen. Die Kriterien, was ich hier für richtig halte ("was richtig(tm) ist"), haben dabei den Anspruch, für die Allgemeinheit zu gelten und eben nicht für den eigenen Vorteil (Ja, ich bin ein Kind des Kategorischen Imperativs; kann mir aber wenigstens herausnehmen, diesen Satz für mich selbst im Alter von 13 oder 14 Jahren gefunden zu haben).
Zurück zum Thema: Microsoft für böse(tm) zu halten ist geradezu schon wieder unmodern. Google wurde aus meiner Sicht böse(tm) schon lange bevor es die meisten überhaupt kannten; und entsprechend werde ich immer leicht unentspannt, wenn Leute unbekümmert persönliche Dinge wie E-Mails, Terminkalender und Leseverhalten dort abwerfen. Als nächstes - damit ich dereinst nicht nur behaupten kann, ich hätte es schon vorher gewußt - steht dann übrigens der Webserver Apache auf der Liste, aber das ist eine andere Geschichte.
Was allerdings erst jetzt bei mehr Personen angekommen ist: Zu den Bösen(tm) muß man auch die Wikipedia zählen. Diese Erkenntnis trage ich schon seit zwei oder drei Jahren mit mir herum, aber nur selten vor mir her. Harten Widerspruch auf meine Meinungen bin ich gewohnt, aber Lust habe ich trotzdem nicht drauf - vor allem, wenn die Kritiker ein halbes Jahr später meine Position eingenommen haben und so tun, als wäre es nie anders gewesen.
Es gab eine Vergangenheit, in der Webspace noch etwas ziemlich Kostbares war. Schon damals haben Menschen dort auch Dinge publiziert, die sie nur privat interessierten. Es war eine Zeit, in der die URLs gerne den Namen einer größeren Einrichtung aus dem Bereich Forschung und Lehre trugen, und weiter hinten folgte eine Tilde. Die inhaltliche Qualität war sehr weit gestreut, die gestalterische noch viel mehr, aber bei einigen spürte man die Liebe und den großen Aufwand, die in Artikel über beliebig exotische Dinge gesteckt worden waren. Die Wikipedia hat hier für eine gründliche Flurbereinigung gesorgt. Die Vereinheitlichung in Design und Struktur haben Lesbarkeit und Erreichbarkeit verbessert; zusammen mit der Möglichkeit, daß auch Leser mal-eben-schnell etwas korrigieren oder beitragen können, ohne großes Wissen über die technischen Hintergründe, war der Grundstock für ein gewaltiges Wachstum gelegt - aber auch das Ende eines im Rückblick so empfundenen goldenen Zeitalters.
Das Problem von Wikipedia ist das Problem von Größe und Zentralisierung. Das erleichtert ohnehin Manipulationen von außen ("Zensur"), und, was das akute Problem ist, es züchtet eine Hierarchie von Verwaltern/Managern/Bürokraten/Beamten/wasauchimmer heran, und darin Menschen, deren Ziel die Machtausübung ist, unter Verlust des Bodenkontakts. Das ist schon bei anderen Strukturen traurig anzusehen, bei einem von großem Idealismus getragenen Projekt ist es pures Gift.
Von Zeit zu Zeit geschieht es, daß ich ein fehlenden Thema finde, zu dem ich beitragen könnte und ich genug Fakten habe. Aber wozu, wenn mir der hinterrücks weggelöscht wird, oder an Kleinigkeiten herumgekrittelt? Anlaß für kleine Korrekturen und Ergänzungen finden sich fast ständig. Weshalb die Initiative ergreifen, wenn es jemand aus nicht verstehbaren Gründen gleich wieder kaputtmachen kann? Ich habe Zugang zu Quellen, um einen bestimmten Artikel qualitativ erheblich zu verbessern; was neben mir nur eine Handvoll Personen tun könnten. Die Lust daran ist mir vergangen.
Denn die Arbeit liegt bei mir. Eine Minute für einen guten Satz ist nicht viel Zeit, und mitunter brauche ich so lange auch schon für ein einzelnes Wort, wenn die Suche nach griffigen Formulierungen ihre Weile dauerte. Vergütung erwarte ich bei einem offenen Projekt nicht, die Währung dort ist freundliche Anerkennung und Nennung desjenigen, der beigetragen hat. Vollständiges Löschen ist Mißachtung und damit das direkte Gegenteil.
Somit bekenne ich mich klar zum Inkludisten. Computer können große Datenbestände katalogisieren und bewerten, und ob es fünf oder fünfzig Millionen Artikel gibt, macht für die Erreichbarkeit keinen wesentlichen Unterschied. Deshalb sei die Liste der Artikel, die keinen Platz verdienen, sehr klein: Grob unrichtig, strafrechtlich relevant. Thematische Überschneidung heilt man durch Vereinigung. Und als relatives Kriterium: Wenig sinnvoll ist die überdeutliche Herausarbeitung eines Einzelthemas, solange vergleichbare Themen deutlich sparsamer bis gar nicht beschrieben sind. Als Beispiel, die Beschreibung des Prellbocks am Gleis 2 des Stuttgarter Hauptbahnhofs ist ungefähr erst dann angemessen, wenn alle Gleise der hundert größten Bahnhöfe Deutschlands ausführlich beschrieben sind. (Für die Herausgeforderten: Im vorigen Satz steckt ein wenig Ironie.) Aber solange ein Artikel inhaltlich und von der Form einigermaßen akzeptabel ist; und er bei Neuentwicklung passend fortgeschrieben wird - warum ihn nicht behalten? Und selbst wenn dies nicht geschieht, kann man ihn immer noch bearbeiten oder als "veraltet, ungepflegt" markieren - und stehen lassen. Löschen greift da deutlich zu weit.
Für mich bleibt Trauer zurück. Wikipedia ist (oder sollte ich bereits schreiben: war?), schon durch das Stöbern darin, ein äußerst lohnender Zeitvertreib, xkcd kennt das Phänomen auch. Viel sinnloses Wissen, aber auch große Faszination. Über Atomsemiotik (Katzenkontent!) wollte ich mal was schreiben, das lasse ich jetzt bleiben; den langen Artikel über die Entdeckung der Kernspaltung hätte ich gerne jedem Wissenschaftsinteressierten empfohlen; und die Entdeckung, daß 209Bi kein stabiles Atom ist, sondern eine leckere Haltwertszeit von 19 Trillionen Jahren hat (zur Orientierung: Der Urknall ist so grob gerade mal einen Milliardsten Teil davon her), hat mich ziemlich vom Hocker gehauen, und ich hätte es sonst nicht erfahren.
Das geht jetzt nicht mehr so unbeschwert. Und wieder etwas Freude verloren.
Sunday, 5. April 2009
(Das ist schon etwas her, aber ich fand grad den URL wieder.)
Schon beinahe wieder vergessen, weil durch anderer Ereignisse überschichtet, ist ein Amoklauf, der sich vor knapp zwei Jahren in Blacksburg, Virginia ereignete. Beim Versuch einer Aufarbeitung entstand ein Bericht von schlappen 14000 Seiten, der zunächst nur einem kleinen Kreis zur Verfügung gesteltt wurde, aber prompt publik wurde, darüber berichtet Der Spiegel.
"Tiefe Einblicke verschaffen aber vor allem die archivierten E-Mails, welche zeigen, wie der Amokläufer mit seinen Lehrern in Kontakt trat." Viel tieferer Einblicke zeigt der Bericht aber, daß offensichtlich jegliche Kommunikation für lange Zeit aufbewahrt wird. Nicht nur zwischen dem späteren Täter und den Dozenten, sondern auch die der Dozenten untereinander. Wenigstens eineinhalb Jahre, wahrscheinlich mehr. Einschließlich aller Banalitäten.
Irgendwie macht mir das Angst. Natürlich ist es wünschenswert, daß Dozenten ihre Kursteilnehmer nicht als graue Masse betrachten sondern versuchen, sie als individuelle Personen zu behandeln. Und sich bei ernsteren Fällen auch einmal Gedanken machen, ob und wie man ihnen Hilfe zukommen läßt. Auch bei mir mag das vorgekommen sein, aber damals geschah das telefonisch, formlos auf dem Flur oder in kleinen, längst vernichteten Notizzetteln. Die heutige Generation hingegen hat die durchaus zweifelhafte Ehre, daß alle diese Dinge noch verfügbar sind und früher oder später auch in dritte Hände finden werden. Ehrenrühriges wird wenig dabei sein, aber beliebig viel peinliches.
Mir fällt dazu nur noch eine kleine Episode aus "Die Revolution entläßt ihre Kinder" ein: Der jugendliche Wolfgang Leonard kommt im Moskauer Exil in die Schule und erlebt die dortigen Sitten: Dazu gehört, daß jede Antwort eines Schülers sofort aufgeschrieben wird (wie das funktioniert haben soll, würde ich gerne wissen). Ob ich so etwas heute aushalten würde? Ich glaube, kaum.
(Für die mit weniger mit Bildungsbürgertum Abgefüllten: Die Überschrift ist aus der Sequenz der Totenmesse, in der das Jüngste Gericht geschildert wird. Die Wikipedia hat Erläuterung und eine freie Übersetzung.)
Monday, 30. March 2009
Alle halbe Jahre wieder: Die Zeitumstellung scheint eigentlich nur noch als Brauch was zu taugen: Die Experten rechnen vor, daß die einst erhofften Ersparnisse nicht existieren, die Umstellung Mensch wie Tier verwirrt, Prozessabläufe durcheinander bringt, und man das ganze eigentlich am Besten einfach bleiben lassen sollte.
Dieses Frühjahr hat es allerdings mal ganz gut geklappt: Unfreiwillig mehrere kurze Nächte hintereinander, dann geht man in der Umstellungsnacht ganz von alleine früh ins Bett, und das Aufstehen am nächsten Morgen paßt so einigermaßen. Irritation gibt es erst am späten Montagnachmittag im Büro, wie die ersten Kollegen einen schönen Feierabend wünschen - gleichzeitig schlägt es das ungute Gefühl von Jetlag zu, wenn innere und äußere Uhr nicht zusammenpassen.
Aber auf der anderen Seite will man doch die Sommerabende nicht aufgeben, an denen es so spät erst dunkel wird. Also das ganze Jahr in der Sommerzeit bleiben? Dann wird das Aufstehen im Winter ja noch härter als sonst.
Hier also ein Vorschlag, der zwar sehr elegant, aber leider völlig unrealistisch ist: Über einen Zeitraum von 50 Tagen, also vielleicht von Anfang März bis Mitte April sowie Mitte September bis Ende Oktober, fügen wir alle zwanzig Minuten eine Schaltsekunde ein. Im Frühjahr ist dann jeder Tag 72 Sekunden kürzer, im Herbst entsprechend länger. Daran kann sich der Körper problemlos anpassen, denn das geht in der normalen Verschiebung der Tagesdauer unter. Ähnlich fallen logistische Probleme wie zum Beispiel bei den Nachtzügen nicht weiter auf, weil die Unterschiede im Rahmen der Betriebstoleranzen liegen. Und die Uhren ziehen, vom Netz gesteuert, die Zeit ganz von alleine nach.
Am letzten Punkt wird es leider dennoch scheitern. Zu viele Uhren werden noch von Hand gestellt, hier alle paar Tage nachregeln zu müssen wird einigen Unmut erzeugen. Und viele weitere Uhren sind höchstens auf das Springen in ganzen Stunden eingerichtet, dazu zählt insbesondere das DCF-77-Zeitsignal. Das zu ändern ist mal eine Aufgabe für eine ganze Generation, deren Kosten sich niemand ans Bein binden mag.
Schade eigentlich.
Nachtrag: Nicht weniger spaßig würden alle zeitzonenüberschreitenden Operationen werden, da zweifelsohne nicht alle Länder mitmachen und dann auch den gleichen Zeitraum für die Umschaltung nutzen werden. Fragen nach "Wie spät ist es jetzt in Tokio?" oder "Wann kommt das Flugzeug aus New York an?" werden dann recht interessant zu beantworten sein.
Sunday, 18. January 2009
Es hätte ruhiger Ausklang eines Wochenendes werden können, an dem ich vor allem ausruhen wollte. Doch dann fiel mir ein Artikel in Telepolis zu (ja, TP muß man mit viel Salz nehmen, und um Salz geht es hier auch): Die weißen Sümpfe von Wittmar. Bitte viel Zeit zum Lesen mitbringen und bis zum Ende durchhalten. Erst am Schluß kommt noch so nebenbei raus, daß der Text abschnittsweise schon ein wenig älter ist. Mithin man eigentlich nicht überrascht sein sollte.
Nach der Lektüre gab es bei mir mal wieder einen dieser Momente, wo man sich ganz ruhig zurücklehnen möchte, und murmeln: Das ist jetzt alles nicht war, das hast Du alles nur geträumt.
Dinge, die man nicht wissen wollte. Dinge, die man wissen sollte. Dinge, die man immer schon geahnt hat. Dinge, wo man vor Wut aus der Haut fahren möchte über irgendeine Mischung aus Ignoranz, Arroganz, Technikgläubigkeit und der Einstellung von "Nach mir die Sintflut", deren Folgen entweder die Katastrophe sind, oder ein derartiger Aufwand, daß ihn niemand stemmen wird.
Und leider auch: Dinge, die man eigentlich auch gewußt hat. Zumindest uns hat man in der Schule ein Film zum Thema Kernkraft gezeigt, wo die Einlagerung gezeigt wurde, genau so, wie sie in diesem Text beschrieben wird. Wo ich mich schon damals wunderte, wie das gut gehen soll. (Als Titel des Films habe ich "Mehr Atomkraftwerke" in Erinnerung, wobei das Fragezeichen fehlt - letzteres bringt wohl Unglück, sagen Filmemacher. Im Netz finde ich dazu nichts, URL willkommen.)
Wenn man mich fragt - man tut es zum Glück nicht -, warum ich keine Kinder habe, dann ist die Antwort: Weil ich ihnen diese Welt nicht zumuten will. Und falls dann noch jemand fragen sollte, was ich damit meine, dann wären die in diesem Artikel geschilderten Dinge ein gutes Beispiel.
Wednesday, 26. November 2008
Es macht mich nur ein ganz klein wenig stolz. Mitte Juli hatte ich in einer besseren Bierlaune eine beim CCC aktive Person angesprochen und ein Motto für den Congress vorgeschlagen. Die hat das wohl für mich weitergeklopft, und jetzt erfahre ich, daß diese Idee wohl noch bei mehr Leuten Gefallen gefunden hat.
Wobei damit eigentlich nur die Generalausrede derjenigen auf die Schippe genommen werden sollte, die sich mit Datenschutz und allem was daran hängt nicht auseinandersetzen wollen. Die andere Interpretation war mir gar nicht in den Sinn gekommen, obwohl sie viel bedrückender ist: Wenigstens, daß wir viele Dinge unserer Lebensführung nicht mehr für uns persönlich halten können, auch wenn sie unwichtig und harmlos sind, und einfach nur niemanden etwas angehen. Oder, bei radikaler Betrachtung, daß wir bereits jetzt mitten im Prozeß der Abschaffung
der Privatsphäre sind.
Wenn jetzt noch beim Congress die Zugangskontrolle wieder eine Form hätte, die mich nicht physisch einschränkt (hint: Führt, zumindest optional, die Badges wieder ein. Wenn Ihr Angst vor Mißbrauch habt: Mit einem durch Paßfoto personalisierten Badge kann ich sehr gut leben), dann haue ich noch die letzten Urlaubstage vor den Kopf und schaue vorbei.
(Falls jemand jetzt behaupten will, es sei in Wirklichkeit seine Idee gewesen: Ist ja gut. Das Thema hat durchaus in der Luft gelegen.)
Saturday, 7. June 2008
Es ist gleich alles wieder da. Nur schlimmer. Der Trend zur doppelten Deppenmarkierung am Auto hat sich durchgesetzt. Im Supermarkt gibt es immerhin bei Damenbinden noch keine aktuelle Produktlinie mit Fußballmustern, bei genug anderen Dingen schon. Und natürlich wieder: Alle Regeln des friedlichen Miteinanders und der Rücksichtnahme sind außer Kraft gesetzt. Und wer nicht mitmachen will - und sei es, weil man am Wochenende Erholung und Schlaf braucht -, der ist natürlich nur ein Spießer und Spielverderber.
Preisfrage: Welche Steuererhöhung wird diesmal beschlossen?
Tuesday, 20. May 2008
- 90 Prozent seines Krams braucht man gar nicht. Eigentlich gilt das auch für die nächsten neun.
- Wenn man einen Kombi mit umgelegter Rückbank bis zur Decke mit Müll vollstopft, und diesen dann beim Recyclinghof abgeworfen hat, und das vier Runden lang, dann sieht es in der Wohnung eigentlich immer noch so aus wie vorher.
- Ist die Hälfte der Möbel rausgeräumt hat, wirkt es noch lange nicht kahl, nur etwas übersichtlicher.
(Sollte jemand in Berlin Interesse an einer dreieinhalb Jahre alten Küche vom Schweden haben, bitte ganz schnell melden.)
Saturday, 3. May 2008
Ein Interview bei Spiegel Online mit einem Traumapsychologen anläßlich der Frau, die 24 Jahre lang von ihrem Vater eingespert wurde:
SPIEGEL ONLINE: Wie hält die menschliche Psyche solch eine Extremsituation aus? Was wissen Psychologen zum Beispiel von KZ-Häftlingen?
Fischer: Es gibt Menschen, die haben einen extremen Überlebenswillen entwickelt - trotz der aussichtslosen Situation. Andere wollten nach ihrer Ankunft im Konzentrationslager einfach nicht mehr weiterleben und sind dann tatsächlich gestorben. Diese sogenannten Muselmänner, Menschen, die sich teilnahmslos ihrem Schicksal ergaben bis hin zum Tod, kamen oft aus besseren Verhältnissen und fühlten sich außerstande, unter den grässlichen Bedingungen des KZ weiterzuleben.
Na gut, dann weiß ich ja gleich mal, was mir bevorsteht.
Sunday, 16. March 2008
In vielen Dingen nehme ich mir heraus, deutlich anders als der Rest der Welt zu sein, und dazu zählt auch das Folgende.
Meinen Fernseher habe ich vor vielen Jahren verkauft, eigentlich vor allem, weil es eine unglaubliche Zeitverschwendung ist. Da ich nun aber auch noch selten im Kino bin, fehlt mir etwas, was anderswo selbstverständlich zur Alltagserfahrung gehört: Die Wahrnehmung von Gewalt, auch wenn es nur künstliche ist, die Schauspieler anschließend alle gesund weiterlaufen. Und das muß nicht mal ein Horrorfilm mit Kettensäge und Fleischwolf sein, eigentlich reicht schon jeder gewöhnliche Vorabendkrimi mit ein paar Schlägereien und etwas Schußwaffengebrauch. Oder, meiner Meinung nach durchaus eine Steigerungsform, eine technisch exzellent gemachte Dokumentation (im Zweifelsfall von der BBC), die sich grad jemand im ICE in der Reihe vor mir gibt und sich dann noch wegen des Bildungsaspekts erhaben fühlen darf (derartiges Edutaiment ist eigentlich großer Murks, aber das ist ein anderes Thema). Es geht wohl um die Araber in Spanien; eine Mischung aus kurzen Statements von irgendwelchen mehr-oder-weniger Wissenschaftlern, in Abwechslung mit nachgestellten Szenen von kleinen und großen Ereignissen aus dieser Zeit. Und so geht es fast zwei Stunden lang: Hauen und Stechen, Schlachten (in beiderlei Hinsicht), Plünderungen, Hinrichtungen. Auf beiden Seiten. Folterung und Vergewaltigung dürften fehlen, das könnte wohl Ärger mit der Altersfreigabe geben.
Macht das Spaß? Ich finde das nur entsetzlich. Wollte man in diesem Fall Ekel und Betroffenheit erzeugen, man würde methodisch deutlich anders vorgehen. Wahrscheinlich bin ich da nur nicht abgestumpft. Allgemein aber ich streite ab, daß das ausschließlich als Unterhaltung ankommt. Dieses massive Erleben schlägt irgendwann auch auf die Geisteshaltung durch, auch wenn wohl in der Entwicklung etwa im Alter von sieben grundsätzlich die Fähigkeit gewonnen wird, derartig Fiktives von Erlebtem zu unterscheiden. Deshalb mal als Gegenthese zur Behauptung der Konservativen, daß die 68er am Werteverlust und der Gewalt in der Gesellschaft schuld seien: Die waren es nicht. Das tägliche dutzendfache Vorgeführtbekommen, daß Gewalt das Mittel zur Lösung von Konflikten ist, das führt dazu, daß Menschen, insbesondere Heranwachsende, sich nicht anders zu helfen wissen als mit den Fäusten.
Die Diskussion über Fernsehen wegen der Gewaltdarstellung dort ist vor dreißig Jahren gelaufen, und das Fernsehen hat leider gewonnen. Nötig ist sie mehr denn je. Und alle, die immer ganz vorne dabei sind, wenn es um Angst- und Sicherheitsdiskussionen geht, möchte ich ganz dringend eine Pause von diesen synthetischen Gewaltwelten empfehlen. Nicht unter vier Wochen. Damit die eigene Wahrnehmung richtig justiert ist.
Saturday, 26. January 2008
Nicht ganz passend, aber iiirgendwie doch:
"(...) Angel of mine, can I thank you?
You have saved me time and time again
Angel, I must confess
It's you that always gives me strength
And I don't know where I'd be without you (...)"
(Evanescence -Angel of mine)
Die es betrifft, wissen, daß sie gemeint sind, denke ich. Danke! Ihr seid klasse!
Thursday, 27. December 2007
Mit dem Flugzeug zu fliegen hatte mir in der Vergangenheit wenig ausgemacht, im Gegenteil: Am Fenster zu hängen und die Welt aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen, und mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit von einem Ort zu einem anderen zu kommen, sind prägende Erfahrungen.
"Scheinsicherheit" vollständig lesen
Friday, 20. April 2007
Was ist Ihnen lieber?
Tag und Nacht darüber zu verzweifeln, weil Sie die Menschheit nicht verstehen?
Oder aber: Die Menschheit zu verstehen, und Tag und Nacht darüber zu verzweifeln?
Monday, 22. January 2007
Gedankenexperiment: Man stelle sich eine Gruppe aus 4-5 Parteien (Paare oder Alleinstehende) vor. Diese kauft gemeinsam ein Haus und richtet es so ein, dass jede Partei einen Wohnbereich mit allem Nötigen hat. Vielleicht eher einfach gehalten, aber es gibt ein Badezimmer, eine Küchenzeile, Wohnräume... Zusätzlich dazu gibt es allerdings noch einen großen Bereich, der Gemeineigentum ist. Da ist eine große Küche mit viel Platz, jede Menge Gerätschaften und großen Esstisch, ein Badezimmer mit einer Wanne, in die auch mal gut zwei Personen reinpassen, und die blubbern kann, ein "Medienzimmer" mit Beamer und Surround-Sound, vielleicht noch eine Art "Bibliothek"...
"Allmende" vollständig lesen
Monday, 15. January 2007
Eben im IRC - allerdings nur für sehr fein justierte Ironie-Detektoren:
<@Thilde> Zugschlus: hast du den Artikel heute in SpOn gelesen?
<@Zugschlus> Thilde: nein, welchen?
<@Thilde> Zugschlus: über Internet-Sucht
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Kommentare
Tue, 20.12.2011 11:17
Ich denke auch, man schwätzt z uweilen viel, wenn der Tag lan g ist und kann nicht alles ums etzen. Frage ist, sch [...]
Tue, 20.12.2011 01:02
An ihren Früchten werdet ihr s ie erkennen.
Mon, 19.12.2011 23:54
Überlebender von Cighid?
Mon, 19.12.2011 14:59
Hört sich nach meiner Kindheit an.
Thu, 27.10.2011 21:37
Die Realitäten in .de sind seh r schön zusammengefasst. Es i st nach wie vor nicht gewünsch t, daß Mütter arbeiten. [...]
Mon, 25.07.2011 21:03
Du kriegst, wenn du ein Kind b ekommst, einen riesigen Ordner voll mit Papier. Es wuerde re ichen, wenn man den Elte [...]
Wed, 04.05.2011 18:40
Nur der Vollständigkeit halber : Was zu seinem Tod geführt ha t, habe ich bewußt ausgelassen . Denn es ist letztlich [...]
Wed, 04.05.2011 09:01
Ich kann mich auch nich "freue n". Wollte eigentlich auch noc h dazu bloggen. Militärische A ktionen auf fremden Hohe [...]
Tue, 03.05.2011 22:45
Ich sehe es genauso wie du.
Tue, 03.05.2011 20:01
http://www.lawblog.de/index.ph p/archives/2011/05/02/den-sche in-des-anstandes-wahren/ Du bist nicht allein
Wed, 23.02.2011 10:39
Och, man[1] erzählte mir, daß schon so manche Doktorarbeit g elesen wurde, indem sie vier W ochen lang auf einem Sch [...]
Wed, 23.02.2011 09:04
...und ich frag mich immer noc h ob die Prüfer die Arbeit übe rhaupt gelesen haben.
Wed, 02.02.2011 19:51
Ja, latürnich. Aber spätestens seit "wag the dog" bin ich in Medienkritik hinreichend gesc hult, um Objektivität be [...]
Tue, 01.02.2011 19:23
Sorry, aber das ist wirklich e infach
Thu, 06.01.2011 17:36
Da kann man jetzt rumjammern w ie man will - mit FORMALIEN ka nn man jeden festhalten, bis e r schwarz wird. Warum, z [...]