Monday, 22. January 2007
Gedankenexperiment: Man stelle sich eine Gruppe aus 4-5 Parteien (Paare oder Alleinstehende) vor. Diese kauft gemeinsam ein Haus und richtet es so ein, dass jede Partei einen Wohnbereich mit allem Nötigen hat. Vielleicht eher einfach gehalten, aber es gibt ein Badezimmer, eine Küchenzeile, Wohnräume... Zusätzlich dazu gibt es allerdings noch einen großen Bereich, der Gemeineigentum ist. Da ist eine große Küche mit viel Platz, jede Menge Gerätschaften und großen Esstisch, ein Badezimmer mit einer Wanne, in die auch mal gut zwei Personen reinpassen, und die blubbern kann, ein "Medienzimmer" mit Beamer und Surround-Sound, vielleicht noch eine Art "Bibliothek"...
"Allmende" vollständig lesen
Monday, 15. January 2007
Eben im IRC - allerdings nur für sehr fein justierte Ironie-Detektoren:
<@Thilde> Zugschlus: hast du den Artikel heute in SpOn gelesen?
<@Zugschlus> Thilde: nein, welchen?
<@Thilde> Zugschlus: über Internet-Sucht
Monday, 14. August 2006
"Diejenigen, die ihre Freiheit zugunsten der Sicherheit aufgeben, werden am Ende keines von beiden haben - und verdienen es auch nicht." Benjamin Franklin
Anschläge und Anschlagsversuche überall, da kann man schon nachdenklich werden und sich fragen, was man denn gegen den Terrorismus tun könnte. Mehr Sicherheit, wird überall geschrien. Doch wie setzt man "mehr Sicherheit" durch? Kontrolle, Überwachung, noch mehr Kontrolle. Wir lassen unsere Taschen durchwühlen, beschränken uns lieber in dem, was wir in die Taschen packen, damit kein falsches Bild auf uns fällt, wir nicht fälschlicherweise verdächtigt werden, versuchen, unauffällig auszusehen - kurz, wir lassen unsere Freiheit beschneiden.
"Diejenigen, die ihre Freiheit zugunsten der Sicherheit aufgeben...." vollständig lesen
Tuesday, 3. January 2006
Es war ein Vortrag auf dem Congress (bei dem ich nicht war), ein Video auf den
einschlägigen Servern. Es gibt es als deutlich besseren langen Essay in der
Datenschleuder (#89, leider noch nicht online). Die Reaktion war ziemlich
heftig, die Kontroversen kann man in zahllosen Blogs und Artikeln nachlesen.
Trotzdem, auch wenn auch ich nicht mit allem einverstanden bin: Lesen.
Es sei denn, man ist gerade nicht besonders guter Laune, denn besser wird
sie bei der Lektüre sicher nicht werden.
Als Appetitmacher (oder besser: Als genaues Gegenteil davon):
Direkt als Zitat: "At some point it becomes cheaper to put money into
repressive police forces and rule by fear than put the money into pay-outs to
the unempolyed population and buy the social peace."
Und als Argumentation, mindestens zwischen den Zeilen: Nach und bei einer
totalen Überwachung kann man jeden Menschen wunderbar kontrollieren, die
Methode ist "selektive Verfolgung", weil jeder Mensch täglich irgendwelche
Regeln bricht. Irgendwann später kann man ihn damit konfrontieren, wenn man
ihn mal ein wenig einschüchtern muß.
Schöne neue Welt, wir kommen.
Saturday, 24. December 2005
Nach meiner Reise in die Vergangenheit vor 2 Wochen hatte ich heute eine etwas ruckelige, dafür um so schmerzhaftere Rückreise in die Gegenwart.
"Rückreise aus der Vergangenheit" vollständig lesen
Monday, 12. December 2005
Die letzte Woche war scheinbar eine Reise in die Vergangenheit...
Es ging damit los, dass ich Donnerstag zu meinen Eltern gefahren bin, um mit Hilfe meines Vaters eine Gitarre für eine Freundin zu kaufen. Ich hatte danach auf dem Weg zum Bahnhof noch etwas Zeit, daher habe ich beschlossen, dass ich mal an meiner alten Schule vorbeigehe.
Als allererstes stellte ich fest, dass die Schule daneben (in der meine kleine Schwester ist), einen Anbau hochzieht. Dann, dass ich selbst von den Oberstufenschülern keinen mehr kenne.
Dann, dass die Putzfrauen immer noch dieselben sind. Ich hab mich sehr nett mit einer unterhalten, die sogar noch meinen Namen wusste - also, den vor der Hochzeit - und schon beim Hand schütteln stellte sie fest, dass ich verheiratet bin.
Im Lehrerzimmer hat mir wer aufgemacht, den ich noch nie gesehen hatte. Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob er Referendar ist oder junger Lehrer, aber er war wohl kaum wirklich viel älter als ich. Leider war gerade Unterricht, und daher das Lehrerzimmer eher dünn besiedelt - eben mit drei jungen Lehrern, von denen keiner über 30 gewesen sein kann, und die ich entsprechend nicht kannte. In der Pause kamen ein paar Lehrer rein, die ich dann kannte, und zeigten sich sehr erstaunt und ich glaube auch etwas erfreut über meinen Besuch, und im Laufe der nächsten Schulstunde wurden es noch mehr, da danach Gesamtlehrerkonferenz war. So konnte ich ein paar Takte mit meinem Englisch-LK-Lehrer reden, kurz mit meinem Musik-LK-Lehrer, etwas länger mit einer alten Biolehrerin, die ich glaube ich das letzte Mal in der 9. Klasse gehabt hatte, mit einer Reli-Lehrerin, die ich nie gehabt hatte, aber von irgendwoher trotzdem kannte, und mit noch ein paar meiner ehemaligen Lehrer. Ich habe erfahren, dass mein Ethik-Lehrer (dessen hochinteressantem Unterricht ich es zu verdanken habe, dass ich 15 Punkte im mündlichen Abi hatte) bald pensioniert wird, dass mein Mathe-Grundkurs-Lehrer schwer krank ist (was mich nicht wirklich allzu sehr wundert, da er Kettenraucher war / ist), dass eine frühere Klassenkameradin, deren Mutter Lehrerin ist, irgendwas im Kommunikationsbereich studiert hat und jetzt auf Jobsuche ist, dass... jede Menge halt.
Es war ein total verrücktes Gefühl, durch die altvertrauten Gänge zu laufen, teilweise sogar noch Bilder an den Wänden hängen zu sehen, die ich noch von vor 5 Jahren kannte, bekannte Gesichter zu sehen und zu sehen, wie sie sich verändert haben, älter, ja teilweise richtig alt geworden sind...
Am Sonntag dann war ich in Mannheim, mit Freunden dort auf dem Weihnachtsmarkt. Ich weiss nicht, wann ich dort das letzte Mal war, muss ein paar Jahre hergewesen sein, aber nicht so ewig. Und dennoch...
Auf diesem Weihnachtsmarkt gibt es ein Karusell. Ein wunderschönes, zweistöckiges Karusell. Irgendwo stand, dass es schon über 100 Jahre alt ist. Und bei dem Karusell dabei ist ein Wagen mit einer Orgel. Alles schön geschnitzt, bunt bemalt... Als kleines Kind, also vor an die 20 Jahren, saß ich schon auf diesem Karusell. Oft und gerne. Und die Orgel fand ich total beeindruckend. Gestern stand ich wieder davor und fragte mich, ob das früher auch schon so klein war, oder ob es wer geschrumpft hat. Aber die Orgel fand ich immer noch toll. Nur war das nicht die einzige Reise in die Vergangenheit an diesem Tag.
Wir sind dann später zur neuen Wohnung des befreundeten Paares gefahren. Auch diese Fahrt ging durch irgendwie vertraute Gefielde, zumindest teilweise. Als wir dann ausgestiegen sind aus der Straßenbahn, stellte ich fest: Wir sind gerade 2 Blöcke weg von dem Gymnasium, in dem ich in der 5. Klasse war. Und da, wo früher ein popeliger Bus fuhr, fährt jetzt eine Straßenbahn. Und ein paar Meter die Straße runter ist der Weg, den ich immer gegangen bin, wenn ich mit dem Bus zur Schule gefahren bin. Den konnte ich vom Balkon der Freunde sogar sehen, ein kleiner Grünstreifen zwischen Häusern. Und sie wohnen keine 100 m Luftlinie von der Schule weg. Verrückt.
Ich weiß nicht, manchmal habe ich das Gefühl, ich werde alt. Dann, wenn ich mir Gedanken mache, wie lange es her ist, dass ich dort zur Schule gegangen bin. Wenn ich mir anschaue, wie sehr sich alles verändert hat. Und vor allem dann, wenn ich mir überlege, wie sehr ich mich verändert habe. Mein Abitur ist etwas über 5 Jahre her. Es kommt mir vor, als sei es in einem anderen Leben gewesen.
Sunday, 4. December 2005
Die Weihnachtsmarktzeit hat endgültig voll und ganz zugeschlagen. Das ist an und für sich ja nichts schlimmes, ich flaniere selbst gerne über Weihnachtsmärkte, gucke mir die feilgebotenen Nutz- und Geschmacklosigkeiten an und schnuppere an den Essensständen rum, und hin und wieder gönne ich mir auch mal einen Glühwein. Einen, wohlgemerkt. Mehr vertrag ich nicht. Mehr vertragen wohl auch diverse andere Leute nicht.
Denn wenn ich denn mal abends länger unterwegs bin, was ich momentan aus irgendeinem Grund öfter bin, dann ist die Bahn immer voll von Leuten in verschiedenen Stadien der Abfüllung. Da sind die Kids (die bestimmt schon 18 sind, die für mich, 8 Jahre älter, aber immer Kids sein werden...), die einfach nur unglaublich albern sind und sich die ganze Zeit nur totlachen. Da sind die Studenten, die auf sehr hohem Niveau besoffen sind. Es ist immer wieder nett, einem völlig sinnlosen, aber intelligent geführten Gespräch zuzuhören. Es gibt die Doofen, die Prolls, die nüchtern genauso doof sind wie besoffen, da ändert sich garnix, nur die Fahne. Und dann gibts noch die Berufssäufer. So einen hatte ich Freitag abend in der Bahn gegenüber von mir sitzen - der dann lallenderweise anfing sich aufzuregen über die Kids, die so furchbar albern seien, und über mich, die ich angestrengt in die andere Richtung gestarrt habe, wie arrogant ich sei (oder sowas in der Art glaube ich verstanden zu haben, als ich aus der Bahn gestiegen bin). Und gestern im Bus war auch noch ein Exemplar dieser Art, allerdings hatte der wohl nochmal einen mehr geladen als der Laller am Freitag... Er schlief den Schlaf der Ge... nein, der Besoffenen, ausgebreitet über vier Sitze im Bus. Und schnarchte. Hin und wieder bewegte er sich ein wenig, rückte sich zurecht, schnarchte weiter. Von Endhaltestelle zu Endhaltestelle - wo er dann auch nicht aufwachte und sitzenblieb.
Es muss wohl wer den Busfahrer darauf aufmerksam gemacht haben, denn als wir unseren dritten Mitfahrer in die Straßenbahn gesetzt hatten und nochmal am Bus vorbeigelaufen sind, stand eine Traube Menschen inklusive Busfahrer um einen hoch aufgerichteten, gestikulierenden Menschen, der wohl gerade realisiert hat, dass er schon ein paar Stationen zu weit war. Bus- wie alkoholtechnisch.
Wednesday, 7. September 2005
Stufen
(Hermann Hesse)
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Ein wunderschönes Gedicht wie ich finde. Meine Mutter und ich witzelten frevelhafterweise vorhin schon, daß Hesse vielleicht gar nicht so hochtrabende Gedanken hatte, sondern einfach nur über einen Umzug nachdachte..
Tja, was tun wenn das geliebte Wesen in einer fremden Stadt eine gute Jobaussicht hat, dessen ursprünglich geplanter jobtechnischer Ortswechsel in die eigene Stadt sich jedoch mehr als zäh gestaltet? Die geliebt-gehasste Stadt verlassen? Auf ein Wunder warten?
Der Gedanke an einen Ortswechsel löst neben Melancholie und ähnlichem in mir eine unbändige Lebensfreude aus, die ich so schon lang nicht mehr spürte. Irgendwie scheint mir, damit verbindet sich für mich auch ein Abschied im übertragenen Sinne, eine Möglichkeit, seelischen Ballast, der sich über längere Zeit angesammelt hat, auszusortieren und hierzulassen statt ihn weiter mit mir herumzuschleppen. Ein Abschied von einem Lebensabschnitt vielleicht auch.. Dazu gesellt sich so ein tief aus dem Bauch kommendes wohliges Gefühl beim Gedanken daran. Schon komisch. Auch wenn ich das sicher noch ein paar Tage in meinem Kopf hin- und herwälzen werde: Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Wednesday, 20. July 2005
Irgendwie scheint mein Studium so fast an mir vorbeigeflogen zu sein. Vorgestern noch war ich im ersten Semester, und gestern habe ich meine letzte Klausur vor der Diplomarbeit geschrieben. Verrückt.
Ich habe angefangen zu studieren, ohne zu wissen, was ich mit dem Studium anfangen will. Vorgabe meinerseits war: "Was mit Technik, und kreativ." und "Keine Mappe." Ich bin durch verschiedene Berufswünsche gegangen... Webdesign (ja, ich schäm mich ja schon... aber vor 4 Jahren war das noch nicht sooo böse), Computeranimation / visual effects, Tontechnik, Event-(ja, was eigentlich? Technik? Management?). Bei letzterem werde ich wohl hängen bleiben. Ist ja auch spannend.
Aber wenn ich jetzt so drüber nachdenke, was mir mein Studium eigentlich gebracht hat, dann würde mir auf Anhieb nichts einfallen.
"Was haben Sie denn im Studium gelernt?" - "Jede Menge Kram, mit dem ich niemals was werde anfangen können. Ich habe verlernt, wie man lernt, ich habe meinen Ehrgeiz verloren, den ich in der Schule hatte, und ich weiß immer noch nicht, was ich mit meinem Leben anfangen will."
Was ich meinem Studium hoch anrechnen kann, ist dass es mir (auch dank meiner Fächerwahl und allgemeiner Studienfaulheit) die Zeit gelassen hat, mich in der Welt außenrum umzugucken. So bin ich beim CCC gelandet, im irc gelandet, bin auf Linux umgestiegen und wusle im Open-Source-Umfeld rum... Eigentlich nicht schlecht. Aber studieren hätt ich dazu nicht müssen.
Überhaupt, wenn ich heute nochmal mein Abi machen würde, dann würd ich wahrscheinlich auch alles ganz anders machen. Erst mal ne Ausbildung. Als was? Äääääh. Mist. Erwischt. Vielleicht Fachinformatiker. Oder was Soziales. Vielleicht würd ich auch Psycho studieren, oder Medizin. Aber das wäre wahrscheinlich nur der Versuch, mich selbst zu therapieren. Vielleicht würde ich es auch nicht anders machen. Vielseitigkeit in einer Welt, in der Fachidioten herangezogen werden, ist verdammt ungeschickt bei der Wahl des Berufswunsches.
Und was passiert jetzt? Nun, erst mal werde ich meine Diplomarbeit schreiben. Und danach werde ich wohl im Bereich Event-Management anfangen. Und wohin will ich? Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich setze ich in 5-6 Jahren ein paar Kinder in die Welt und werde Hausfrau und Mutter, und mit 40 bin ich frustriert und mache Yogakurse und suche, wo ich in die falsche Richtung gelaufen bin. Nun, for the records: Es war heute und jetzt. 2005. Als ich mich nicht entscheiden konnte, wohin ich will.
Saturday, 11. June 2005
Gestern unterhalte ich mich mit einem losen Bekannten und klage
zwischendurch über einen Nutzer, der sich bei seinem Computerproblem
selten dämlich anstellt und meine sehr konkreten Ratschläge nicht
annehmen will. Mein Gegenüber sagt darauf nur kurz und knapp: "Cargo
cult". Mir sagt das Wort nichts, ich überspiele die Situation und
mache mich bei nächster Gelegenheit schlau.
"Cargo-Kult" vollständig lesen
Tuesday, 31. May 2005
disclaimer: Ich bin grad sehr theatralisch drauf
Meiner Einschätzung nach: Erinnerungen, die mir auch noch nach weit
über zwanzig Jahren sehr präsent sind, sagen etwas über mich aus.
Das ist etwas, was mich beindruckt hat, wo ich mich irgendwo auch
wiederfinde. Symboliken, in die ich mich flüchten kann. Und das
müssen nicht einmal schlimme Dinge sein, ganz im Gegenteil, das sind
bei mir (zum Glück) meistens scheinbar völlig harmlose Dinge. Und in
diesem Fall sogar erfunden, weil aus einem Buch.
Ein Kinderroman, wenn ich mich richtig erinnere, "Jim Knopf und die
Wilde 13": Eine Truppe rauher Männer, nunmehr zu den Guten gewandelt,
muß eine schwere Entscheidung treffen. Sie sitzen die ganze Nacht um
ein Feuer, das sie angezündet haben - und reden kein Wort.
Am nächsten Morgen geht ihr Anführer zum Helden des Romans und sagt
ihm, was sie tun werden (im Sinne des Helden, versteht sich
Das fasziniert mich noch heute. Auch wenn das eine erfundene Szene
ist: Was ist da geschehen? Denken sie wirklich einfach alle gleich?
Haben sie, nicht einmal bewußt, durch Haltung oder Mimik ihre
einzelne Meinung mitgeteilt? Wurde mit Augen-Blicken intensiver
diskutiert, als das mit Worten je möglich gewesen wäre?
Oder einfach, war ihnen allen schon klar, daß es zur Entscheidung
keine Alternative gab, eigentlich "schon alles klar" war? Dann war
das nur noch eine Nacht, in der jeder noch einmal die Zeit haben
wollte, um sich dem Unvermeidlichen zu fügen, zu hoffen, daß es nicht
zu schlimm kommen wird (klar, daß es in einem Kinderroman gut
ausgeht), und um sich von der nur vermeintlich verlockenden
Alternative zu verabschieden.
Dabei ist dann unerheblich, ob es drei^W zwölf Leute sind oder nur
einer: Sich für eine Nacht aus der Welt herausnehmen und langsam
und schmerzhaft erkennen, daß die Entscheidung keine Entscheidung
mehr ist, sondern es nur noch einen, unangenehmen Weg gibt, den man
gehen muß. Denn der andere wird nicht möglich sein.
Dummerweise, und ausschließlich durch eigene Schuld, fühle ich mich
gerade mal wieder in so einer Situation. Es geht nicht um Leben und
Tod sondern "nur" um die Frage, ob ich einen Haufen Geld verliere,
oder einen gewaltigen Tanz aufführe, mit großem Theater und wenig
Aussicht, noch etwas zu retten. Trotzdem raten mir alle zu letzterem,
nur liegt mir weder das Schauspielern noch das Kämpfen auf
aussichtslosen Posten.
Also werde ich vermutlich die nächste Nacht zumindest virtuell an
einem Feuer sitzen (echte Flammen würden der Hausverwaltung wohl kaum
gefallen); an Schlaf ist ohnehin kaum zu denken - und schließlich die
"Entscheidung" treffen. Anschließend alle Urlaubs- und Reisepläne
für dieses Jahr vergessen.
Tuesday, 3. May 2005
Was bleibt?
Zur Zeit schmeiße ich wahnsinnig viel Zeug weg. Anlaß ist, daß
ich in meinem Zimmer die Möbel umstelle und anschließend nicht
mehr so viel Regalplatz sein wird. Außerdem ist da Zeugs, was
seit meinem letzten Umzug vor eineinhalb Jahren nicht mehr aus
den Kisten rausgekommen ist. Das wird mir wohl auch nicht mehr
fehlen.
Aber eigentlich hätte ich das alles, ziemlich viel Papier, schon
viel früher mal entsorgen können. Da hing mal ziemlich Herzblut
dran, und es jetzt wieder in die Hand zu nehmen tut weh. Etliche
Dinge, die ich immer mal machen wollte, viele Dinge, die ich nur
mal angefangen und nie zu einem Ende gebracht habe, von Briefen
bis zu einem Studium. Die ich mal-eben-schnell kurz unterbrochen
habe, später werde ich zurückkommen und weitermachen. Bis zu
fünfzehn Jahren später ist dann klar, daß ich nicht zurückkommen
werde. Und dann ist das nur noch eine belastende Erinnerung. Weg
damit.
Und trotzdem kippe ich das nicht einfach so in die Tonne. Einmal
tue ich mir den Schmerz noch an - und stecke jedes Blatt in den
Aktenvernichter. Dann kann ich sicher sein, daß es nie wieder
begegnen wird. Und danach sollte es mir besser gehen.
Was habe ich von irgendwelchen Eintrittskarten in italienischen
Museen? Fahrkarten, mit denen ich mal quer durch Deutschland
gefahren bin? Programme von Konzerten, wo ich mehr mit der Frau
neben mir beschäftigt war (die dann eineinhalb Jahre später
jemand anderen geheiratet hat). Das mal vor meinen Enkeln
ausbreiten, damit sie sich von Opa Geschichten aus seiner Jugend
erzählen lassen? Wohl kaum. Viele Sachen, wo nur schlechte
Erinnerungen daran hängen: Vergebliche Hoffnungen, Situation, wo
ich mich mal wieder erfolgreichst blamiert habe oder zumindest
heute denke: Mann wie peinlich. Nur weg damit. Der Rest ist Zeugs
ohne irgendwelchen Wert. Das eine schaue ich nicht mehr an, das
andere will ich gar nicht mehr sehen.
Wenn ich nun alles wegwerfe, was ich nicht mehr brauche - dann
kann ich auch gleich weitermachen. Die alten
Computerzeitschriften, sorgsam über Jahre gesammelt, sind schon
weg. Wann gehe ich an meine Bücher? Was von dem, was hier
herumfliegt, brauche oder benutze ich wirklich? Je länger ich
mich umschaue, desto mehr Dinge sehe ich, die ich nur aus Pietät
noch nicht weggeworfen habe, oder wegen "Das kann man doch nicht
wegwerfen!". Ich glaube ich kann inzwischen.
Aber: Was bleibt eigentlich übrig? Sehr, sehr wenig. Und das
macht mir Angst. Weil ich bei alledem daran denke, wie ein
Totkranker sich von allen weltlichen Dingen trennt, weil sie
ohnehin keinen Wert mehr für ihn haben.
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Kommentare
Tue, 08.05.2012 09:09
Als Vortragender bist Du natür lich willkommen! Und bzgl. "K ameras am Austragungsort": da könnt man ja mal ne Bege [...]
Tue, 21.02.2012 08:39
Das Elterngeld ist nichts im V ergleich zu dem Einkommensverl ust, den ich habe, weil ich di e 2 Jahre uebrigen Jahre [...]
Tue, 20.12.2011 11:17
Ich denke auch, man schwätzt z uweilen viel, wenn der Tag lan g ist und kann nicht alles ums etzen. Frage ist, sch [...]
Tue, 20.12.2011 01:02
An ihren Früchten werdet ihr s ie erkennen.
Mon, 19.12.2011 23:54
Überlebender von Cighid?
Mon, 19.12.2011 14:59
Hört sich nach meiner Kindheit an.
Thu, 27.10.2011 21:37
Die Realitäten in .de sind seh r schön zusammengefasst. Es i st nach wie vor nicht gewünsch t, daß Mütter arbeiten. [...]
Mon, 25.07.2011 21:03
Du kriegst, wenn du ein Kind b ekommst, einen riesigen Ordner voll mit Papier. Es wuerde re ichen, wenn man den Elte [...]
Wed, 04.05.2011 18:40
Nur der Vollständigkeit halber : Was zu seinem Tod geführt ha t, habe ich bewußt ausgelassen . Denn es ist letztlich [...]
Wed, 04.05.2011 09:01
Ich kann mich auch nich "freue n". Wollte eigentlich auch noc h dazu bloggen. Militärische A ktionen auf fremden Hohe [...]
Tue, 03.05.2011 22:45
Ich sehe es genauso wie du.
Tue, 03.05.2011 20:01
http://www.lawblog.de/index.ph p/archives/2011/05/02/den-sche in-des-anstandes-wahren/ Du bist nicht allein
Wed, 23.02.2011 10:39
Och, man[1] erzählte mir, daß schon so manche Doktorarbeit g elesen wurde, indem sie vier W ochen lang auf einem Sch [...]
Wed, 23.02.2011 09:04
...und ich frag mich immer noc h ob die Prüfer die Arbeit übe rhaupt gelesen haben.
Wed, 02.02.2011 19:51
Ja, latürnich. Aber spätestens seit "wag the dog" bin ich in Medienkritik hinreichend gesc hult, um Objektivität be [...]